Abschied mit viel Herz

Abschied mit viel Herz

Sanduhr durchgelaufen

Schulrektorin Tanja Willax-Nickl wechselt nach sechsjähriger Tätigkeit zum 1. August an die Rehbühlschule Weiden. Der Abschied fällt ihr und der Waldthurner Schulfamilie nicht leicht. Mit einem beeindruckenden Festakt in der Aula der Grundschule, würdigten verschiedene Redner die Leistungen der scheidenden Pädagogin.

Vor allem die 65 Kinder der Bildungseinrichtung, die einheitlich im blauen Schulshirt gekommen waren, spielten neben der zu verabschiedenden Schulleiterin eine tragende und sehr emotionale Rolle. Die stellvertretende Schulleiterin Silvia Wittmann und das Lehrerkollegium hatten mit den Mädchen und Buben einen eineinhalbstündigen Abschied mit viel Herz organisiert und die Rektorin für die Vorbereitungen sogar „stundenweise der Schule verwiesen“. „Du gehst zum letzten Mal durch diese Tür, alles Gute wünschen wir für die Zukunft Dir“, sangen sie im Beisein vieler örtlicher Prominenz. Die Mädchen der vierten Klasse tanzten nach „Setz die Segel“ von Peter Maffay. Die dritte/vierte Klasse stellte fest, dass diese ihre Rektorin eine nette Person und Pädagogin aus Passion ist. Bei ihr es keine Langeweile gab – sie hielt alle auf Trab. Die Klasse 2/3 überreichte eine „Wenn – Box“ für alle Fälle.

Mit netten, aber auch „wütenden“ Worten beeindruckte die erste Klasse und stellte klar, dass sie ihre Schulleiterin gerne haben. „Sie packen nun ihre sieben Sachen und wollen sich aus dem Staube machen. Das ist doch ein starkes Stück, sie lassen uns einfach zurück“, taten sie in Gedichtform ihre Meinung kund. So richtig zum Lachen finden sie es nicht, dass die Rektorin jetzt geht. Obwohl sie manchmal etwas laut waren, dass die Erde bebte, habe die Lehrerin es doch überlebt, sagten sie unter dem Lachen der Mitschüler sowie Gäste und überreichten eine essbare Goldmedaille.

Bürgermeister Josef Beimler bemerkte, dass für Willax-Nickl immer das Wohl der Kinder im Mittelpunkt stand. „Was mich als Bürgermeister immer beeindruckt hat, dass Sie sich auch mit unserer Marktgemeinde identifiziert haben“. Mit ganzem Herzen haben Sie das unverwechselbare Profil unserer kleinen Schule und deren Qualität – ein wichtiges Zukunftskriterium – gestärkt. Das Miteinander sei geprägt vom Fingerspitzengefühl der Pädagogin, aber auch von ihrer Hartnäckigkeit und wenn es darauf ankam auch von Ausdauer und Unnachgiebigkeit. „Sie haben nicht nur Ihre Kinder gefordert!“.

Für das Staatliche Schulamt Neustadt/Weiden verglich Schulamtsdirektorin Christine Söllner das reale Straßennetz mit beruflichen und privaten Lebensabschnitten. Die Schulrätin würdigte das Wirken der Rektorin in Waldthurn und den schulischen Lebensweg in Form eines persönlichen „Tanja Willax-Nickl Reisetagebuchs“.

Sie besuchte 1977 bis 1981 die Grundschule in Tännesberg und machte 1990 ihr Abitur im Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden. Danach studierte sie Lehramt für Grundschulen an der Uni Bayreuth, das sie 1994 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Im September 1995 kam sie in den Vorbereitungsdienst an die Volksschule Falkenberg (Tirschenreuth). Zwei Jahre später absolvierte sie die zweite Lehramtsprüfung. 2002/2003 war Söllner die Schuleiterin an der Grundschule Pechbrunn und durfte Willax-Nickl als kompetente und ungewöhnlich engagierte Kollegin kennenlernen. Seit 2012 war Willax-Nickl Schulleiterin in Waldthurn.

Pfarrer Norbert Götz meinte, er hätte es als Religionslehrer jeder Zeit noch länger mit der Schulleiterin hier in Waldthurn ausgehalten und sagte Vergelts´ Gott und wünschte Gottes Segen. Tschechischlehrerin Dana Pflaum verlas die Grußworte der Leiterin der Partnerschule im tschechischen Hostau, Zdeňka Špinlerová.

Elternbeiratsvorsitzende Simone Bergler meinte, der Wunsch, dass unsere Rektorin noch bleibt sei leider nicht in Erfüllung gegangen. „Frau Willax-Nickl, sie zauberten eine Schule mit freundlicher Atmosphäre, hatten Ideen und Ziele, für die sie gekämpft haben“. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und gegenseitiger Respekt waren wichtige Werte.

Laut Lehrerin Silvia Wittmann war das Außengebäude der Schule vor sechs Jahren schon attraktiv. „Du machtest auch das Innenleben attraktiv. Du brachtest Gedanken und setztest eigenen Akzente“. Der Schulalltag verlange viel Innovation und Einsatz. Auch ein verständnisvolles Ohr sei wichtig. „Du warst ein Coach für uns alle und hast uns den Rücken gestärkt. Teamarbeit auf hohem Niveau war dein Ding“. Leider zeige die scheidende Rektorin laut dem „Abschiedszeugnis“ mangelnde Kompetenz und erhebliche Schwächen in Sachen „Waldthurner Dialekt“. Sie erzielte hierbei kaum Fortschritte, meinte Wittmann.

Die Zeit in Waldthurn war bunt und vielfältig. In ihrer Abschiedsrede schwärmte Willax-Nickl und meinte, die Waldthurner Schülerinnen und Schüler seien ihr seit September 2012 das Wichtigste gewesen. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagte sie zurückblickend und trug passend zum roten Schulgebäude ein rotes Kleid. Schnell habe sie gemerkt, dass sie in Waldthurn, wo es ihr die Kinder, die Kolleginnen und die Marktgemeinde leichtgemacht hätten, genau richtig sei. Die Schulleiterin ließ die vergangenen Jahre mit einer bunten Zusammenstellung von verschiedenem Sand in einem großen Glas Revue passieren und bedankte sich bei vielen Personen, die sie in dieser Zeit unterstützten.

Beispielsweise der engagierte Elternbeirat habe das Leitziel „Schule miteinander (er)leben“ wörtlich genommen. „Wer etwas Neues wagt muss etwas Schönes zurücklassen“. Manchmal müsse man lebe wohl sagen, um neue Ziele zu erreichen. Sie habe sich mit der Familie ab dem neuen Schuljahr für die Rehbühlschule entschieden – der Sand in der Waldthurner Sanduhr ist durchgelaufen – die schöne Zeit ist vorbei!