Zehn Schueler auf historischer Spurensuche

Zehn Schueler auf historischer Spurensuche

„Gnadenreiches Prager Jesulein“

1316, vor 700 Jahren, wurde der Deutsche Kaiser und Böhmische König Karl IV. in Prag geboren. Aus Anlass dieses wichtigen Jubiläums gab es in Prag und in Nürnberg eine große Landesausstellung zur Erinnerung an diesen bedeutenden Herrscher, dessen Regierungszeit mit der Goldenen Straße bis heute unter den Oberpfälzern lebendig geblieben ist. Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst nahm dieses Jubiläum zum Anlass, Schülern in einem Geschichtswettbewerb herausfinden zu lassen, was Bayern und Böhmen bis heute verbindet.Die Schüler der Grundschule Waldthurn machten sich auf historische Spurensuche. Sie wollten mehr über das „Gnadenreiche Prager Jesulein“, eine Heiligenstatue in Tschechien, herausfinden, weil es bei uns in der nördlichen Oberpfalz so große Verehrung findet. Diese wundertätige Heiligenfigur findet man in der Wallfahrtskirche Maria vom Siege in der Karmelitergasse in Prag.

In Waldthurn gibt es gleich zwei Nachbildungen dieser Gnadenstatue. Herr Franz Bergler, Gemeindeheimatpfleger und viele Jahre Bürgermeister von Waldthurn, hat darüber vor einigen Jahren eine bemerkenswerte Ausstellung im Rathaus zusammengestellt.

Die Schule pflegt guten Kontakte zu ihrer Partnerschule in Tschechien. Zwei Klassen folgten im November einer Einladung nach Hostoun.

Aber warum ist das so? Im Rahmen eines Projektes fuhren die Schüler mit ihrer Lehrerin Martina Schott nach Neustadt an der Waldnaab.

Dort wurden sie von der Museumsleiterin Frau Ursula Wichert und Herrn Dr. Sebastian Schott empfangen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums in Weiden i.d.OPf. und außerdem der Schwager unserer Klassenlehrerin.

Sie besuchten das Stadtmuseum, die katholische Stadtpfarrkirche Sankt Georg und das Schloss. Auch hier fanden sich Nachbildungen dieser Heiligenstatue.

In einer Ausstellung im Schloss fanden sie heraus, dass der aus Böhmen stammende Wenzel Eusebius von Lobkowicz 1641 für seine Familie die Herrschaft Störnstein – Neustadt in der Oberpfalz kaufte. Noch im gleichen Jahr wurde sie von Kaiser Ferdinand dem III. zu einer gefürsteten Grafschaft erhoben. Da die Familie sehr gläubig war, fand diese Heiligenstatue auch bei uns große Verehrung. In der Kirche entdeckten sie das Wappen der Familie. Auch im Wappen des Landkreises Neustadt finden sich drei Sterne und drei Steine („Sternstein“).

Am nächsten Tag besuchten die Schüler mit ihrer Lehrerin und Herrn Dr. Schott Herrn Bauer, den zweiten Bürgermeister von Waldthurn, im Rathaus. Er führte die Schüler durch das Museum und Frau Petra Reil, eine Mitarbeiterin der Gemeinde, zeigte ihnen die Nachbildung des Prager Jesulein, das im Besitz der Gemeinde ist.

Im Klassenzimmer arbeiteten sie ihr erworbenes Wissen auf. Sie gestalteten Wappen und kennzeichneten in einer Karte, wo in unserer unmittelbaren Nähe weitere Nachbildungen zu finden sind.

Im Kunstunterricht gestalteten die Schüler neue Gewänder für das Prager Jesulein. In arbeitsteiligen Referaten versuchten sie ihren Mitschülern diese historischen Zusammenhänge näher zu bringen.

Außerdem gestalteten sie eine Ausstellung im Schulhaus.

Frau Schott hat die Arbeitsergebnisse für die Klasse am Computer zusammengefasst und möchte diese bei dem Schülerwettbewerb:

„Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn – Karl IV. Böhmen Bayern Europa“ einreichen.

 

Wenzel Eusebius von Lobkowicz vertrat christliche Werte. Unter der Herrschaft dieser Familie ging es den Menschen in Waldthurn sehr gut. Aus dieser Zeit stammt das folgende Sprichwort:

„Wenn einer vom Himmel ins Waldthurner Ländchen fällt, so hat er nicht viel eingebüßt“.